W13
Sanierung einer Jugendstilwohnung

In einer Jugendstilwohnung in Stuttgart sollte die Geschichte des Gebäudes durch Erhalten und Neuinterpretieren der historischen Substanz und prägender Details hervorgehoben werden. Die Unvollkommenheit wurde hierbei als besonderer Wert des Gebäudes betrachtet, den es herauszuarbeiten galt. Die Raumwirkung wird durch charmante Details wie Deckenmalerei, alte Fliesenböden, Holzbalken und Stuckfries beeinflusst, die teilweise erst durch den Rückbauprozess an die Oberfläche traten.

Durch ausladende Schiebe- und Flügeltüren im Bestand ergeben sich Sichtbeziehungen zwischen den einzelnen Wohnräumen. Das Farbkonzept ordnet jedem Raum ein eigenes farbliches Thema zu und setzt sie basierend auf den Blickbeziehungen in eine harmonische Liaison. Ergänzend unterstreicht ein raumübergreifendes Möbelelement die Verbindung der Aufenthaltsräume. Als Kontrast zur markanten Wandgestaltung wurden die Deckenflächen bewusst in Rohputz belassen und lediglich dem wohnlichen Gesamtkonzept entsprechend aufgearbeitet. So bleibt eine bei den Rückbauarbeiten entdeckte, schemenhaft noch zu erkennende, Deckenmalerei sichtbar und der historische Stuckfries wird – in neutralem weiß gefasst – hervorgehoben.

Küche und Bad wurden durch entsprechende bauliche Maßnahmen neu aufgeteilt, nachdem diese durch die vorherige gewerbliche Nutzung in ihrem Umfang erheblich zurückgestutzt worden war. Die hierbei unter zahlreichen Bodenschichten gefundenen Keramikfliesen in der Küche und die Holzbalken im Bad inspirierten im weiteren Planungsablauf die Gestaltung der beiden Räume. Durch die sichtbar belassenen Holzbalken im Bad bleibt die gründerzeitliche Raumaufteilung erkenntlich. Die hierdurch geschaffene angenehme Zonierung zwischen den einzelnen Sanitärobjekten ertüchtigt den Raum für eine zeitgenössische Nutzung. Rosafarbene, handgefertigte Zementfliesen im Nassbereich unterstützen den warmen, wohnlichen Charakter des Raumes. In der Küche wurde die historische Farbigkeit der atlantikblauen Fliesenintarsien in der Möblierung aufgegriffen und mit wiederkehrenden warmen Holzelementen ergänzt.

Die Collage aus handwerklich fein ausgearbeiteten zeitgenössischen Interventionen und historischen dekorativen Elementen verbindet die einzelnen farblichen Raumthemen miteinander und bildet so eine individuelle Einheit zwischen Gegenwärtigem und Historischem.

Bauherr
privat
Nutzung
Wohnen
Beteiligte
Nicole Müller, Sascha Bauer
Möbelschreiner
OMAS STUDIO GmbH& Co.KG
Fotos
Nicole Müller, Sascha Bauer, Jannis Haueise

Sophienstrasse 24b, 70178 Stuttgart

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