RO72
Villa Knosp, Wüstenrot Stiftung
Die Villa Knosp in der Rotebühlstraße 72 in Stuttgart-West wurde 1859 nach einem Entwurf des Stuttgarter Architekten Joseph von Egle als Wohngebäude für das Unternehmerpaar Rudolph und Sophie Knosp errichtet. Das Gebäude gilt als bedeutendes Beispiel bürgerlicher Baukultur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und stellt den ersten privaten Massivbau Stuttgarts dar. Trotz verschiedener Umnutzungen und dem Verlust des ursprünglichen Freiraums durch die fortschreitende Verdichtung des Stuttgarter Westens haben sich wesentliche Teile der historischen Bausubstanz erhalten, insbesondere die bauzeitlichen Putz- und Stuckarbeiten sowie die Holzausstattung.
Die Sanierung folgt einem integralen Ansatz des behutsamen Weiterbauens als respektvolle Fortschreibung der historischen Architektur. Zentrale Strategie ist ein differenzierter Umgang mit Bestand und Ergänzung durch detailgenaue Addition und Subtraktion. Neue Elemente treten als eigenständige Schicht hinzu, bleiben klar ablesbar und werden zugleich harmonisch integriert. Dabei folgt das gestalterische Konzept einer zeitgenössischen Interpretation von Form und Materialität ohne imitierendes Weiterbauen.
Die Planung zur Instandsetzung des Dachraums verfolgt das Ziel, eine klare statische Ordnung herzustellen und den Bestand weitestgehend zu sichern. Der zentrale Bereich wird künftig stützenfrei ausgebildet und ermöglicht dadurch eine flexible Nutzung für Workshops, Besprechungen und Einzelarbeit.
Das Projekt zeichnet sich durch eine beispielhafte Zusammenarbeit zwischen der Wüstenrot Stiftung als Bauherrin, dem Landesdenkmalamt und den Genehmigungsbehörden aus. Unser interdisziplinäres Planungsteam arbeitet eng mit Fachplaner:innen, Gottlob Rommel Bauunternehmung und der Restauratorin Dr. Julia Feldtkeller zusammen. Diese co-produktive Arbeitsweise gewährleistet, dass die historische Substanz in ihrer gestalterischen Qualität wieder erfahrbar gemacht und behutsam an heutige Bedürfnisse angepasst wird.